Autonomie im Alter

Mit zunehmendem Alter nimmt sowohl die Muskelmasse wie auch die Muskelkraft ab. Je nach Ausmass des Muskelschwunds ergeben sich im Alter funktionelle Einschränkungen, die sich in simplen Alltagsaktivitäten wie Treppensteigen, Einkaufstaschen tragen, überqueren eines Fussgängerstreifens oder Aufstehen von einem Stuhl verdeutlichen. Die eingeschränkte muskuläre Leistungsfähigkeit, meist verbunden mit einer verminderten Gleichgewichtsfähigkeit führt zu einem unregelmässigem Gang und einem erhöhten Sturzrisiko. Eine stets abnehmende Muskelkraft in der Beinstreckmuskulatur führt bei älteren Leuten irgendwann unweigerlich zu einem Verlust der Autonomie, weil beispielsweise nicht mehr genügend Kraft zur Verfügung steht, um selbstständig von einem Stuhl oder Bett aufstehen zu können.  Dieser Verlust der Autonomie muss mit allen Mitteln verhindert werden, denn es geht nicht nur um die Lebensqualität älterer Menschen, sondern ebenfalls um Kosten im Gesundheitswesen.

Prävention durch Bewegung

Durch Bewegung im Alltag, insbesondere muskuläre Belastungen, kann dieser Entwicklung wirksam entgegengesteuert werden und somit längerfristig die Autonomie im Alter erhalten bleiben. Studien zeigen, dass sowohl die Kraft, als auch die Gleichgewichtsfähigkeit auch im höchsten Alter noch trainierbar sind, Muskelmasse und damit die Muskelkraft gesteigert werden können. Neben der geringeren Wahrscheinlichkeit für Stürze kann dadurch auch persönliches und familiäres Leid verringert und eine hohe Lebensqualität bis ins höchste Alter erhalten werden.

 

Grafik 1 Regelmässige körperliche Aktivität und Training führt zu einer signifikanten Reduktion der Anzahl Stürze um mindestens 23%. Auch nimmt die Anzahl stürzender Menschen signifikant ab, um rund 15%. (Daten adaptiert von Sherrington et al., 2019)

Von medizinischen Fachkräften (Physiotherapeuten, Sportwissenschaftler) angeleitete Trainingsprogramme sind dabei nachweislich wirksam und können sowohl im Gruppenunterricht, sowie auch zuhause durchgeführt werden. Es ist wissenschaftlich bewiesen, dass es nie zu spät ist, um mit Training zu beginnen. Auch ein in fortgeschrittenem Alter begonnenes Training verjüngt die Muskeln und erhält die Mobilität, Funktionalität und Autonomie.

Quelle:

Sherrington, C., Fairhall, N. J., Wallbank, G. K., Tiedemann, A., Michaleff, Z. A., Howard, K., … Lamb, S. E. (2019). Exercise for preventing falls in older people living in the community. Cochrane Database of Systematic Reviews.

Fiatarone, M., Marks, E., Ryan, N., Meredith, C., Lipsitz, L., & Evans, W. (1990). High-Intensity Strength Training in Nonagenarians: Effects on Skeletal Muscle. JAMA : the journal of the American Medical Association, 263, 3029–3034.

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